Die Geschichte des Investments
Ein historischer Rückblick - Investment, die Mutter aller Beteiligungen
Heutzutage hat ein Anleger die Qual der Wahl, in welche der zahlreichen Anlageformen er investieren möchte. So kann er beispielsweise zwischen Investmentfonds, Aktienfonds, Capital Venture, Windfonds, Medienfonds, Schiffsfonds, geschlossenen oder offenen Immobilienfonds etc. ganz nach seinem persönlichen Geschmack, bzw. seinen finanziellen Möglichkeiten wählen.
Doch wer weiß schon, wo die Wiege der Investmentbranche steht, bzw. wo sie ihren Ursprung hatte?
Fakt ist, dass bei Nennung des Wortes "Investment" dem Insider unweigerlich die Namen der größten noch existierenden Investmenttrusts wie z. B. Baring, Schroders, Merrill & Lynch, Pioneer, Putnam, Templeton, Fidelity bzw. die Namen ihrer Gründerväter präsent sind.
Fest steht, dass im Jahre 1762 die Gebrüder John und Francis Baring (Söhne von John Baring, einem Bremer Pastorensohn) in London die erste Merchant Bank gründeten. Das heute noch bestehende Unternehmen legte 1957 den ersten Investmentfond auf, und betreibt seit den 1950er Jahren Asset Management.
Im Jahre 1804 wurde Schroders in London von den Söhnen einer Hamburger Kaufmannsfamilie gegründet und ist heute eine der angesehensten Vermögensverwaltungsgesellschaften der Welt mit einem Spitzenplatz im Ranking der besten Fondsgesellschaften. Anno 1868 gründete Sir Philip Rose, 1st Baronet die Fondsgesellschaft Foreign & Colonial Investment Trust und es entstand der wohl erste "richtige" Fonds "Foreign & Colonial Government Trust". In den Gründungsverträgen ist das primäre Ziel der Investmentgesellschaft - sinngemäß übersetzt - wie folgt festgesetzt:
"Das Ziel der Gesellschaft ist es, den kleinen Sparern dieselben Vorteile zu verschaffen wie den Reichen, indem das Risiko durch die Streuung der Kapitalanlage auf eine Vielzahl verschiedener Aktien vermindert wird."
1891 wurde der Fonds in "The Foreign & Colonial Investment Trust" umbenannt und investiert erst seit 1925 in Anteilswerte.
Die Gründerväter des Investments
Sir Francis Baring, 1st Bt, John Baring, Charles Wall (v.l.)
Baring Asset Management
Gründungsjahr 1762
Johann Heinrich Schröder & Johann Friedrich
Schroders plc
Gründungsjahr 1804
Sir Philip Rose, 1st Baronet (ohne Bild)
The Foreign & Colonial Investment Trust
Gründungsjahr 1868
Der Gedanke, welcher dahinter stand, ist im Prinzip einfach. Wirft man Geld von vielen Anlegern in einen gemeinsamen Topf (Fonds), so ist die Position auf dem Kapitalmarkt eine andere, als wenn jeder Anleger für sich kleine Beträge anlegen würde. Die Fondsgesellschaft tritt dabei im eigenen Namen, jedoch auf fremde Rechnung auf, da sie schließlich fremdes Geld verwaltet bzw. in unterschiedliche Anlageobjekte investiert.
Die erste amerikanische Investmentfondsgesellschaft war der "Boston Personal Property Trust", welcher 1894 gegründet wurde. Im Jahre 1914 gründet Charles E. Merrill das Unternehmen "Merrill & Lynch". Ein paar Jahre später, anno 1928, ruft Philip L. Carret den "Pioneer Fund" ins Leben. Die Amerikaner erlebten nach Beendigung des I. Weltkrieges eine wirtschaftliche Expansion per exelence, welche durch den Börsencrasch vom 25. Oktober 1929 ("Schwarzer Freitag") vorrübergehend ein jähes Ende nahm. Doch bereits wenige Jahre später, im Jahr 1937, gründete George Putnam (erstellte den ersten Mischfonds) den "George Putnam Fund of Boston".
Sein Urgroßvater Samuel Putnam - damaliger Richter am obersten Gerichtshof von Massachusetts - legte im Jahr 1830 den rechtlichen Grundstein für eine verantwortungsvolle Vermögensverwaltung mit Namen "The Prudent Man Rule", in welchem geschrieben steht: "ein Treuhänder möge Fremdvermögen mit der selben Sorgfalt verwalten, als ob es sein eigenes wäre".
Weitere Gründerväter des Investments
Merrill Lynch
, Gründungsjahr 1914 - Charles E. Merrill
Pioneer Investments
, Gründungsjahr 1928 - Philip L. Carret
Putnam Investments
, Gründungsjahr 1933 - George Putnam
Templeton Management
, Gründungsjahr 1940 - Sir John Templeton
Fidelity Investments
, Gründungsjahr 1946 - Edward C. Johnson II
Im Jahre 1940 ging Templeton (Gründer Sir John Templeton) an den Start (1947 wurde Franklin gegr., 1954 der "Templeton Growth Fund" und 1992 der Zusammenschluss "Franklin Templeton Investments").
1946 rief Edward C. Johnson II "Fidelity Management & Research" (FMR) ins Leben, im Jahre 1969 "Fidelity International Limited" (FIL).
"Mit Geduld können außergewöhnliche Gewinne erzielt werden."
(Philip L. Carrel, Pioneer)
Die Investmentwelle schwappte Anfang der 1920er Jahre auch auf Deutschland über. Im Jahre 1923 wurde der "Zickertsche Kapitalverein" durch den deutschen Vermögensverwalter Hermann Zickert in Königswusterhausen / Berlin gegründet. 1926 gründete sich die "Bayerische Investment AG" . in den Jahren 1931 respektive 1932 wurden jedoch beide Unternehmen wegen z. T. leichtsinniger Anlagestrategie liquidiert. Das sich die Investmentidee in Deutschland erst nach dem zweiten Weltkrieg etablierte hat unter anderem ihre Gründe im Scheitern der beiden Investmentgesellschaften, der damaligen grasierenden Kapitalknappheit, sowie der damals hohen steuerlichen Belastungen der Investmentfonds gegenüber einer Direktanlage.
Erst als sich die "Allgemeine Deutsche Investmentgesellschft mbH" /ADIG) im Jahre 1949 aus vier Banken in München als erste deutsche Kapitalanlage - Gesellschaft gründet, ändert sich dieses.
Ein Jahr später (1950) werden durch ADIG die beiden ersten deutschen Fonds (FONDRA und FONDAK) aufgelegt.
Der eigentliche Durchbruch gelang der Investmentbranche aber erst 1957, als das Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften verabschiedet wurde.
Ergänzend sei noch erwähnt, dass bereits im 18. Jahrhundert der Holländer Abraham van Katwich zwei mehrfache Maßeinheitsfinanzierungsgesellschaften (Eendracht Maak Magd 1774 u. Concordia Res Parvae Crescunt 1779) gründete, sowie in den Jahren 1822 in Belgien ("Société Générale des Pays-Bas" / Brüssel) und 1849 in der Schweiz ("Société Civile Génêvoise d'Emploi de Fonds") fondsähnliche Gesellschaften installiert wurden.